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aus unserer Arbeit

Heimbach - Abend der Zeitzeugen:

Pfarrer Ludwig Bettendorff

Pfarrer Ludwig BettendorfPfarrer Ludwig Bettendorf
15 Personen waren der Einladung zum Abend der Zeitzeugen gefolgt. Die meisten von ihnen hatten Pfarrer Bettendorff noch als Kinder erlebt. Einige gehörten dem letzten Kommunionjahrgang an, den er nach seiner Rückkkehr aus dem KZ Dachau in Heimbach zur Erstkommunion geführt hatte. Ein Teilnehmer berichtete, dass er und die anderen Kommunionkinder am ersten Tag des Kommunionunterrichts von der Verhaftung ihres Pfarrers erfahren hatte. 

Bettendorf war 1940 unter falschen Angaben bei den Behörden angezeigt worden. Da er den Nazis ohnehin ein Dorn im Auge war, nutzten sie diesen Vorwand, um sich des missliebigen Geistlichen zu entledigen.

Bettendorff verbrachte rund 5 Jahre in Dachau. Er überlebte das Grauen, war blieb für den Rest seines Lebens gezeichnet. Er kam erst an Ostern 1945 frei, kurz vor dem Ende des Krieges und der Besetzung Dachaus durch amerikanische Truppen. Bereits 1946 verließ er Heimbach. Es hieß damals, er habe die Konfrontation mit denen vermeiden wollen, die für seine KZ-Haft verantwortlich gewesen waren. Noch einmal übernahm er eine Pfarrei, Monzel an der Mosel. 1951 starb er. Er wurde in in seiner Heimatstadt Trier beerdigt. 

In Heimbach ist Ludwig Bettendorff nicht nur als aufrechter Streiter gegen die Barbarei der Nazis in Erinnerung, sondern auch als Gründungspfarrer der Pfarrei und als treibende Kraft hinter der Errichtung der Pfarrkirche. Dazu hatte Bettendorff nicht nur erhebliche Geldmittel aus dem Vermögen seiner Familie beigesteuert. Er war auch selbst in der Baustelle aktiv und verstand es, Menschen zum Mittun zu motivieren.

Auf seine Initiative ging auch die Wahl von Petrus Canisius zum zweiten Patron der Pfarrgemeinde zurück. Petrus Canisius war der erste Deutsche, der sich dem Jesuitenorden angeschlossen hatte Erst 1925, also während der Bauphase der Kirche, war er von Papst Pius XI heiliggesprochen worden. Canisius steht für einen Neuanfang aus Ruinen: Zu seiner Zeit galt der katholische Glaube in Deutschland als Auslaufmodell. Wer modern sein wollte, hielt mit der Reformation. Canisius hingegen unterschied zwischen konkreten MIssständen, die er anprangerte, und dem katholischen Glauben, den er auf liebenswürdige Weise vertrat.   

Entlassungsschein Pfarrer Bettendorffs aus dem KZ Dachau, ausgestellt am 1.4.1945Entlassungsschein Pfarrer Bettendorffs aus dem KZ Dachau, ausgestellt am 1.4.1945

 

 Foto: Entlassungsschein Pfarrer Bettendorffs aus dem KZ Dachau, ausgestellt am 1.4.1945.

 

 


Antonius Mönch

Pfarrer in Baumholder und Weihbischof von Trier

* 13.6. 1870 in Niederholzweiler (Kreis Ahrweiler) + 14.2. 1935 in Trier.

Antonius stammte aus einer katholischen rheinischen Volksschullehrerfamilie; seine Mutter war vor ihrer Verehelichung Inhaberin einer kleinen Warenhandlung und im Jahre 1840 vom jüdischen zum katholischen Bekenntnis konvertiert.

Mönch besuchte die Schule seines Vaters, erhielt Privatunterricht durch einen Geistlichen und konnte so in die Mittelstufe der »Höheren Stadtschule« in Ahrweiler aufgenommen werden, die er 1888 mit dem Zeugnis der mittleren Reife verließ. Er bezog dann das Bischöfliche Konvikt in Trier und legte zu Ostern 1891 in glänzender Weise die Reifeprüfung am Trierer Friedrich-Wilhelm-Gymnasium ab.

Nach einsemestrigem Studium der Philosophie am Bischöflichen Priesterseminar in Trier wurde er zum Studium in Rom bestimmt, wo er am 28.10. 1897 die Priesterweihe empfing und den philosophischen und theologischen Doktorgrad erwarb.

Nach kurzer Seelsorgetätigkeit in Bad Münster am Stein wurde er Kaplan in Saarlouis-Fraulautern (1898-1901).

Seine erste Pfarrstelle erhielt er in den Diasporapfarreien Baumholder (1901-1905) und Birkenfeld (1905-1907).

Nachdem er sich dort bewährt hatte, wurde er schließlich Pfarr der damals größten Pfarrei im Bistum Trier, der Pfarrei St. Marien im saarländischen Neunkirchen, die er acht Jahre lang verwaltete.

Der in der Seelsorge sehr erfahrene Mönch, hatte sich im sogenannten Gewerkschaftsstreit als entschiedener Anhänger der Berliner Richtung erwiesen und auf diese Weise den Trierer Diözesanbischofs Michael Felix Korum unterstützt.

Am 1.7.1915 wurde Mönch zum Weihbischof von Trier ernannt und am 21.9. 1915 im Dom zu Trier konsekriert. Bereits vor der Konsekration war M. zum Domkapitular (27.8. 1915) und zum Geistlichen Rat (20.9. 1915) ernannt worden.

Am 23.3. 1916 berief Bischof Michael Felix Korum M. zum Vorsitzenden des neugegründeten Diözesan-Caritasverbandes. In diesem Amt organisierte er in Ausführung eines Beschlusses der Fuldaer Bischofskonferenz das gesamte Caritaswesen im Bistum Trier, d.h. er koordinierte die zahlreichen karitativen Bestrebungen der Orden, der Pfarrcaritas, der Vinzenz- und Elisabethenkonferenzen, der Frauen- und Mütterfürsorgevereine, der Mädchenschutzvereine u.a.

Dem Deutschen Caritasverband diente M. in den Jahren 1920 und 1921 als dessen Vizepräsident unter Lorenz Werthmann. Er ist einer der Persönlichkeiten gewesen, denen es zu verdanken ist, daß der Dachverband im Nachkriegsjahr 1919 trotz erheblicher organisatorischer und finanzieller Schwierigkeiten nicht zerbrach.

Als Mitglied des Zentralvorstandes und des Fachausschusses für Kinderfürsorge hat M. sich in den Folgejahren ungezählte Verdienste um Deutschlands Caritas erworben. Aus vielen seiner Veröffentlichungen spricht der in karitativer Theorie und Praxis erfahrene Fachmann.

Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 wurde der »Halbjude« Mönch bald Opfer von Angriffen des Regimes. Sein Lebenswerk, die organisierte Caritas im Bistum, wurde allmählich ausgeschaltet.

Er selbst wurde »Zielscheibe« rassistischer Übergriffe: M.s Beichtstuhl im Trierer Dom wurde mit verfaultem Obst und übelriechenden Eiern beworfen; angeblich Unbekannte befestigten an seinem Beichtstuhl ein Schild mit der Aufschrift »Beichtet nicht bei Juden!«

M. ist infolge dieser unmenschlichen Belastungen allzu früh gestorben. Als sich die Kunde von seinem Tod in Trier verbreitete, kam es zu einer kleinen »Demonstration« der katholischen Bevölkerung: mehr als 30.000 Menschen defilierten an dem in seiner Kurie Aufgebahrten vorbei und die Beteiligung an den Exequien war derart groß, daß die Zeitungen die Zahl der Gläubigen nicht mehr abschätzten, sondern nur noch von ungezählten »Scharen« berichteten.

Bischof Franz Rudolf Bornewasser ging in seiner Totenpredigt auf die antisemitischen Vorfälle ein. M. habe es tief geschmerzt, »als unter dem Einfluß gewisser zeitbedingter Auffassungen unfeine Menschen in unfeiner Weise bittere Wermutstropfen in den heiligen Strom der Verehrung und tiefsten Sohnesliebe zur gütigen Mutter glaubten hineingießen zu müssen.«

Die im Trierer Dom versammelten Vertreter der Regierung, die mittleren Chargen der Partei, der Stadt und der Behörden - die höheren Grade hatten sich von der Teilnahme dispensiert - sowie die Priester und die zahlreichen Gläubigen verstanden, was hinter den Worten des Bischofs stand. M. fand seine letzte Ruhestätte in der Weihbischofskapelle des Trierer Domkreuzganges.